Eine hohe Provision macht noch lange kein gutes Partnerprogramm aus. Entscheidend sind auch Faktoren wie Conversion-Rate, Cookie-Laufzeit, Stornoquote und Zielgruppenfit. Wir zeigen dir, worauf du bei der Auswahl wirklich achten solltest.
Warum eine hohe Provision nicht automatisch mehr Einnahmen bedeutet
Bei der Suche nach einem Partnerprogramm fürs Affiliate-Marketing fällt der Blick häufig zuerst auf die Provision. Das ist verständlich, denn sie bestimmt, wie viel du grundsätzlich mit einem vermittelten Kauf oder einer anderen gewünschten Aktion verdienen kannst. Die höchste Provision ist jedoch nicht automatisch die lukrativste.
Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied
| Partnerprogramm | Provision | Verkäufe bei 1.000 Klicks | Durchschnittlicher Warenkorb | Einnahmen |
| Programm A | 15 % | 5 | 60 € | 45 € |
| Programm B | 8 % | 20 | 60 € | 96 € |
Obwohl Programm A fast die doppelte Provision bietet, verdienst du mit Programm B deutlich mehr. Der Grund liegt in der höheren Conversion-Rate.
Deshalb solltest du Partnerprogramme immer als Gesamtpaket betrachten. Ein geringerer Provisionssatz kann sich lohnen, wenn der Anbieter beispielsweise eine starke Marke, attraktive Produkte und einen überzeugenden Shop bietet.
Partnerprogramme vergleichen: 10 wichtige Fragen für die Wahl des passenden Programms
1. Passt das Partnerprogramm zu meiner Zielgruppe?
Noch vor der Provision steht eine viel wichtigere Frage: Passt das Angebot überhaupt zu deinen Nutzern?
Wenn du einen Blog über nachhaltiges Reisen betreibst, bringt dir ein hoch vergütetes Partnerprogramm für Gaming-Zubehör wenig. Deine Besucher haben wahrscheinlich kaum Interesse an diesen Produkten und entsprechend niedrig dürfte die Conversion-Rate ausfallen.
Ein gutes Partnerprogramm sollte möglichst genau zu deinem Content und zur Kaufabsicht deiner Zielgruppe passen. Prüfe deshalb:
- Welche Interessen hat meine Zielgruppe?
- Welches Problem möchte sie lösen?
- Welche Produkte oder Dienstleistungen sucht sie?
- In welcher Phase der Kaufentscheidung befindet sie sich?
- Passt das Angebot glaubwürdig zu meinen bisherigen Inhalten?
Je größer die thematische Übereinstimmung ist, desto natürlicher kannst du Affiliate-Links in deinen Content integrieren.
2. Wie attraktiv ist das Produkt?
Ein Affiliate kann Besucher zu einem Shop bringen. Ob daraus tatsächlich Kunden werden, hängt anschließend stark vom Händler und seinem Angebot ab. Schau dir den Anbieter deshalb aus Kundensicht an. Würdest du dort selbst bestellen? Dabei spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:
| Kriterium | Warum es für Affiliates wichtig ist |
| Preis | Wettbewerbsfähige Preise können die Kaufentscheidung erleichtern. |
| Produktqualität | Gute Produkte sorgen für Vertrauen und können Retouren reduzieren. |
| Auswahl | Ein großes Sortiment erhöht die Chance auf einen passenden Kauf. |
| Bewertungen | Positive Erfahrungen anderer Kunden können Vertrauen schaffen. |
| Versand | Hohe Versandkosten können Kaufabbrüche verursachen. |
| Retouren | Ein unkomplizierter Prozess verstärkt das Vertrauen. |
| Zahlungsmethoden | Fehlende Zahlungsoptionen können Conversions verschlechtern. |
| Mobile Shopqualität | Besonders bei Social Media-Traffic ist ein guter mobiler Checkout wichtig. |
Auch Rabatte, Gutscheine und regelmäßige Aktionen können ein Partnerprogramm interessanter machen.
3. Wie bekannt und vertrauenswürdig ist der Anbieter?
Markenbekanntheit kann im Affiliate-Marketing einen großen Unterschied machen. Nutzer kaufen häufig eher bei einem Shop, den sie bereits kennen und dem sie vertrauen. Das bedeutet nicht, dass kleine oder neue Anbieter grundsätzlich schlechte Partnerprogramme haben. Im Gegenteil, Nischenanbieter können besonders attraktive Konditionen bieten. Du solltest jedoch prüfen, ob der Shop einen professionellen und vertrauenswürdigen Eindruck macht.
Achte beispielsweise auf transparente Produktinformationen, verständliche Versandbedingungen, seriöse Kundenbewertungen und einen professionellen Bestellprozess.
Wichtig: Als Affiliate gibst du mit einer Empfehlung ein Stück weit auch dein eigenes Vertrauen weiter. Schlechte Erfahrungen mit einem beworbenen Shop können deshalb nicht nur deine Einnahmen, sondern auch deine Glaubwürdigkeit gegenüber deiner Community beeinträchtigen.
4. Welche Conversion-Rate ist realistisch?
Die Conversion-Rate zeigt, welcher Anteil der weitergeleiteten Besucher tatsächlich die gewünschte Aktion ausführt. Bei einem Onlineshop könnte das beispielsweise so aussehen:
100 Klicks auf deinen Affiliate Link 4 Bestellungen 4 % Conversion-Rate
Für deine tatsächlichen Einnahmen ist diese Kennzahl enorm wichtig. Ein Partnerprogramm mit 5 Prozent Provision und hoher Conversion kann profitabler sein als eines mit 15 Prozent Provision, bei dem kaum jemand bestellt.
Eine pauschal gute Conversion-Rate gibt es allerdings nicht. Sie hängt unter anderem von Branche, Produkt, Traffic-Quelle, Preis und Kaufabsicht der Nutzer ab. Wenn du bereits mit einem Programm arbeitest, solltest du deshalb regelmäßig folgende Faktoren vergleichen:
- Klicks,
- Conversions,
- Conversion-Rate,
- durchschnittlicher Warenkorb,
- Provision pro Conversion,
- Stornos,
- Mindest-Auszahlungsgrenzen,
- Auszahlungsintervalle,
- tatsächlichen Verdienst pro Klick.
Besonders interessant ist dabei der EPC, also Earnings per Click. Er zeigt vereinfacht, wie viel Umsatz beziehungsweise Provision deine Klicks durchschnittlich für dich generieren.
Provisionsmodelle im Affiliate-Marketing
Im Affiliate-Marketing gibt es verschiedene Attributions- beziehungsweise Provisionsmodelle. Prüfe, was genau zu deinem Geschäftsmodell passt. In unserem Ratgeber findest du eine Übersicht.
5. Wie lang ist die Cookie-Laufzeit?
Ein Nutzer klickt auf deinen Affiliate-Link, schaut sich das Produkt an und bestellt erst einige Tage später. Bekommst du trotzdem eine Provision? Das hängt unter anderem von der Cookie-Laufzeit, dem Attributionsmodell und dem jeweiligen Trackingmodell des Partnerprogramms ab.
Je nach Programm kann die Laufzeit beispielsweise wenige Stunden, 7 Tage, 30 Tage oder deutlich länger betragen. Gerade bei Produkten mit längerer Entscheidungsphase kann eine großzügige Laufzeit von Vorteil sein.
Bei einem günstigen Alltagsprodukt entscheiden sich Nutzer möglicherweise innerhalb weniger Minuten. Bei Möbeln, Reisen, Versicherungen oder hochpreisiger Technik kann die Entscheidung wesentlich länger dauern. Vergleiche die Cookie-Laufzeit deshalb immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Produkt.
6. Wie hoch ist die Stornoquote?
Eine vermittelte Bestellung bedeutet noch nicht automatisch, dass die Provision am Ende tatsächlich auf deinem Konto landet. Wird ein Kauf storniert oder die Ware retourniert, kann auch die dazugehörige Provision wieder entfallen. Deshalb ist die Stornoquote eine Kennzahl, die Affiliates nicht ignorieren sollten. Ein Beispiel:
Programm B sieht auf den ersten Blick weniger lukrativ aus. Nach den Stornos bleiben jedoch höhere Einnahmen übrig. Insbesondere bei Branchen mit generell hohen Retourenquoten solltest du diesen Faktor berücksichtigen.
7. Gibt es attraktive Werbemittel?
Gute Partnerprogramme stellen Affiliates nicht einfach nur einen Trackinglink zur Verfügung. Sie unterstützen ihre Publisher mit attrativen Werbemitteln aktiv bei der Vermarktung.
Hilfreich können beispielsweise folgende Werbemittel sein:
- aktuelle Banner,
- Vergleichsrechner,
- Produktfeeds,
- Deeplinks,
- Gutscheine und Rabattcodes,
- saisonale Werbemittel,
- Textlinks,
- Produktbilder,
- APIs oder andere technische Schnittstellen.
Welche Materialien du benötigst, hängt von deinem Geschäftsmodell ab. Für einen klassischen Content-Blog sind ansprechende Werbemittel besonders wichtig. Preisvergleichsseiten benötigen dagegen häufig aktuelle und strukturierte Produktdaten.
Achte außerdem darauf, wie regelmäßig die Materialien aktualisiert werden. Ein Weihnachtsbanner aus dem vergangenen Jahr hilft dir im Juli schließlich wenig.
8. Wie gut ist das Tracking?
Ohne professionelles Tracking gibt es keine zuverlässige Vergütung. Die technische Qualität des Partnerprogramms sollte deshalb ebenfalls in deine Entscheidung einfließen. Prüfe, welche Trackingmöglichkeiten das Programm beziehungsweise das verwendete Affiliate-Netzwerk anbietet. Interessant sind unter anderem Cross-Device-Tracking und andere Trackingverfahren, die über klassische Cookies hinausgehen.
Auch ein übersichtliches Reporting ist hilfreich. Du solltest möglichst nachvollziehen können, woher deine Klicks und Conversions kommen und welche Inhalte besonders gut funktionieren. So kannst du erfolgreiche Strategien gezielt ausbauen.
9. Wie transparent sind die Bedingungen?
Bevor du dich für ein Partnerprogramm anmeldest, solltest du einen Blick auf die Teilnahmebedingungen werfen. Interessant sind beispielsweise folgende Fragen:
- Welche Traffic Quellen sind erlaubt?
- Darfst du Social Media verwenden?
- Ist SEA beziehungsweise Brand Bidding erlaubt?
- Sind Gutscheine zulässig?
- Darfst du Newsletter einsetzen?
- Wie werden Stornos behandelt?
- Gibt es eine Mindestgrenze für Auszahlungen?
- Wann erfolgt die Auszahlung?
- Welche Werbemethoden sind ausgeschlossen?
Besonders wichtig ist das, wenn du nicht nur eine klassische Website betreibst. Nicht jedes Partnerprogramm erlaubt beispielsweise Werbung über alle Social Media-Plattformen oder bezahlte Anzeigen.
10. Gibt es einen guten Affiliate-Support?
Dieser Punkt wird bei der Auswahl häufig unterschätzt. Ein guter Ansprechpartner kann für Affiliates jedoch sehr wertvoll sein.
Professionell betreute Partnerprogramme informieren ihre Publisher beispielsweise über neue Produkte, Rabattaktionen oder Änderungen der Konditionen. Teilweise gibt es individuelle Gutscheincodes, exklusive Aktionen oder spezielle Werbemittel für besonders aktive Partner. Auch bei Trackingproblemen oder offenen Provisionen ist ein erreichbarer Affiliate-Support hilfreich. Ein gutes Partnerprogramm betrachtet Affiliates nicht nur als Traffic-Lieferanten, sondern als langfristige Partner.
Partnerprogramme systematisch vergleichen: Der Mix muss stimmen
Statt ausschließlich die höchste Provision auszuwählen, lohnt sich also ein systematischer Vergleich der oben genannten Kriterien.
Dabei gilt: Das Programm muss nicht in jeder Kategorie perfekt abschneiden. Entscheidend ist, welche Faktoren für dein eigenes Affiliate-Modell besonders wichtig sind.
Der wichtigste Vergleichswert: Was bleibt am Ende wirklich übrig?
Wenn du mehrere Partnerprogramme getestet hast, solltest du dich weniger auf einzelne Kennzahlen und stärker auf das tatsächliche Ergebnis konzentrieren. Stell dir beispielsweise vor, du vergleichst drei Programme:
| Programm A | Programm B | Programm C | |
| Provision | 15 % | 8 % | 10 % |
| Conversion-Rate | 1 % | 4 % | 3 % |
| Durchschnittlicher Warenkorb | 80 € | 80 € | 100 € |
| Stornoquote | 25 % | 5 % | 10 % |
Allein anhand der Provision würdest du wahrscheinlich Programm A wählen. Sobald Conversion-Rate, Warenkorb und Stornos berücksichtigt werden, kann sich jedoch ein völlig anderes Bild ergeben.
Genau deshalb gilt im Affiliate-Marketing: Nicht die höchste Provision gewinnt, sondern das Partnerprogramm, das aus deinem Traffic langfristig den höchsten tatsächlichen Ertrag erzielt.
Neue Partnerprogramme zunächst testen
Auch nach einer gründlichen Recherche kannst du nicht sicher vorhersagen, welches Partnerprogramm bei deiner Zielgruppe am besten funktioniert. Die tatsächliche Performance zeigt sich erst in der Praxis.
Teste deshalb verschiedene Anbieter und werte die Ergebnisse nach einem ausreichend langen Zeitraum aus. Besonders interessant ist der Vergleich ähnlicher Produkte oder Shops innerhalb derselben Kategorie. Behalte dabei nicht nur Klicks und Verkäufe im Blick. Entscheidend ist, welche bestätigten Provisionen am Ende tatsächlich übrigbleiben. Ein Programm mit weniger Verkäufen kann beispielsweise trotzdem besser abschneiden, wenn der durchschnittliche Warenkorb höher und die Stornoquote niedriger ist.
Checkliste: Woran erkenne ich ein gutes Partnerprogramm?
Hier findest du einen Überblick über wichtige Kennzahlen für individuell passende Partnerprogramme:
- Das Angebot passt zu deinem Content und deiner Zielgruppe.
- Produkte und Preise sind konkurrenzfähig.
- Der Shop wirkt seriös und nutzerfreundlich.
- Die Provision ist im Verhältnis zur Branche attraktiv.
- Die Conversion-Rate stimmt im Verhältnis zu deinem Traffic.
- Die Stornoquote fällt nicht ungewöhnlich hoch aus.
- Die Cookie-Laufzeit passt zum Kaufentscheidungsprozess.
- Das Tracking funktioniert zuverlässig.
- Es stehen passende Werbemittel und Deeplinks zur Verfügung.
- Die Programmbedingungen sind transparent.
- Auszahlungen erfolgen zuverlässig.
- Bei Problemen gibt es einen erreichbaren Ansprechpartner.
Fazit: Das beste Partnerprogramm ist nicht unbedingt das mit der höchsten Provision
20 Prozent Provision sehen auf dem Papier besser aus als 8 Prozent. Für deinen tatsächlichen Verdienst sagt diese Zahl allein jedoch wenig aus. Ein gutes Partnerprogramm kombiniert ein attraktives Angebot mit einer passenden Zielgruppe, hoher Conversion-Rate, zuverlässigem Tracking, fairen Bedingungen und möglichst wenigen Stornos. Auch Cookie-Laufzeit, Werbemittel und Affiliate-Support solltest du bei deiner Entscheidung berücksichtigen.
Am Ende zählt deshalb nicht die Frage Wo bekomme ich die höchste Provision?
, sondern vielmehr: Mit welchem Partnerprogramm kann ich meinen vorhandenen Traffic am besten monetarisieren?
Wer verschiedene Programme getestet und seine Kennzahlen regelmäßig vergleicht, findet langfristig Partnerprogramme, die wirklich zum eigenen Content und zur eigenen Community passen.